Nutzen, Risiko und Kosten

Das Lungenkrebsscreening (auch als Lungenscreening bezeichnet) ist eine regelmäßige, jährliche Low-Dose-CT-Untersuchung, mit der Lungenkrebs in einem frühen Stadium erkannt werden kann. Lungenkrebs wird oft erst spät entdeckt, da er lange Zeit keine oder nur unspezifische Beschwerden verursacht. Zu diesem Zeitpunkt sind die Behandlungsmöglichkeiten häufig eingeschränkt. Das Screening richtet sich vor allem an aktive oder ehemalige Raucherinnen und Raucher und ermöglicht eine gezielte Früherkennung. Die Teilnahme ist freiwillig. 

Bei Männern ist Lungenkrebs nach Prostatakrebs die zweithäufigste, bei Frauen nach Brustkrebs und Darmkrebs die dritthäufigste Krebsneuerkrankung (Deutsches Lungenzentrum 2023). Daher eignet sich diese Vorsorgeuntersuchung v.a. für Risikopersonen zur gezielten Früherkennung.

Das Low-Dose-CT ist eine spezielle Form der Röntgenuntersuchung, die darauf ausgelegt ist, Lungenkrebs früh zu erkennen. Der Computertomograph (CT) erzeugt dünne Schichtbilder der Lunge, die am Computer zu einem detaillierten, dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden. Dadurch können selbst sehr kleine Tumore im Frühstadium erkannt werden. 

Die Strahlendosis ist deutlich geringer als bei einem Standard-CT, sie ist ähnlich der natürlichen Jahresstrahlenbelastung. Das Low-Dose-CT ist kurz und konzentriert sich ausschließlich auf die Lunge. Die Auswertung erfolgt nach hohen medizinischen Standards (Leitlinien). Die Radiologin oder der Radiologe wertet die Bilder aus. Auch eine zertifizierte Künstliche Intelligenz (Lungen KI) unterstützt die Analyse. Diese Doppelbefundung sorgt für mehr Sicherheit, Vergleichbarkeit und reduziert unnötige Kontrollen und Folgetermine.

Ab April 2026 wird das Lungenkrebsscreening für Personen ohne Lungenerkrankung aber mit erhöhtem Risiko von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die privaten Krankenkassen übernehmen i.d.R. heute schon die Kosten. Voraussetzung ist, dass Ihre Teilnahmevoraussetzung von einer allgemeinmedizinischen oder internistischen Praxis, die sich an der Lungenkrebs-Früherkennung beteiligt, bestätigt worden ist.

Experten empfehlen das Lungenkrebsscreening, es birgt jedoch geringe Risiken:

  • Strahlenbelastung: Die Dosis ist deutlich niedriger als bei Standard-CTs
  • Überdiagnosen und falsch-positive Befunde: Veränderungen, die sich später als nicht bösartig herausstellen oder keine Beschwerden verursachen. Dies kann psychisch belasten. Standardisierte Auswertungen und unabhängige Zweitmeinungen erhöhen die Sicherheit eines korrekten Befundes
  • Falsch-positive Befunde: Manche Tumore werden übersehen oder entwickeln sich nach einem Untersuchungstermin. Deshalb ist es wichtig, sich bei Beschwerden zwischen den Untersuchungen an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden

Das Low-Dose-CT kann sehr kleine Tumore bereits im Frühstadium erkennen, oft bevor Beschwerden auftreten. Andere Untersuchungen wie eine einfache Röntgenaufnahme, Bluttests oder Tumormarker sind für die Früherkennung von Lungenkrebs nicht zuverlässig genug. Durch die frühe Entdeckung verbessern sich die Behandlungs- und Heilungschancen deutlich.

Das Low-Dose-CT gilt derzeit als die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Lungenkrebs bei Risikogruppen. Internationale Studien zeigen, dass Lungenkrebs frühzeitig erkannt und die Lungenkrebssterblichkeit gesenkt werden kann. Im Vergleich zu herkömmlichen Röntgenuntersuchungen konnte eine Reduktion der Sterblichkeit um mind. 20 % nachgewiesen werden.

Das Niedrigdosis-CT entdeckt u.U. nicht alle Tumore. Manche Tumore entwickeln sich z.B. nach einem Untersuchungstermin. Deshalb ist es wichtig, auch zwischen den Untersuchungen eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren, wenn Beschwerden auftreten.

Primäres Ziel ist die Früherkennung von Lungenkrebs. Das Low-Dose-CT kann jedoch auch andere Veränderungen der Lunge zeigen, zum Beispiel COPD, Koronare Herzkrankheiten, Lungenemphysem, Lungenfibrose oder Veränderungen nach Infektionen. Auffällige Befunde werden individuell ärztlich abgeklärt, und das weitere Vorgehen richtet sich nach der jeweiligen Diagnose.

 

Studien & Evidenz zum Lungenkrebsscreening

Die Wirksamkeit des Lungenkrebsscreenings mit Low-Dose-CT ist durch große internationale Studien und unabhängige Fachinstitutionen gut belegt.

  • 1. NLST – National Lung Screening Trial (USA)
    • Titel: Reduced Lung-Cancer Mortality with Low-Dose Computed Tomography Screening
    • Publikation: The New England Journal of Medicine, 2011
    • Studienzeitraum: 2002 – 2010
    • Kurzbeschreibung: Große randomisierte Studie, die zeigte, dass das Low-Dose-CT im Vergleich zu Röntgen die Lungenkrebssterblichkeit um ca. 20?% senkt.
    • Link: NLST-Studie im NEJM

 

  • 2. NELSON-Studie – Nederlands–Leuvens Longkanker Screenings Onderzoek
    • Titel: Volume CT Screening for Lung Cancer: NELSON Trial Results
    • Publikation: The New England Journal of Medicine, 2020
    • Studienzeitraum: 2003 – 2014
    • Kurzbeschreibung: Europäische Studie mit über 15?000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zeigte, dass volumenbasierte Low-Dose-CT-Screenings die
    • Lungenkrebssterblichkeit deutlich senken (bei Männern ca. 24?%, auch bei Frauen signifikant).
    • Link: NELSON-Studie im NEJM

 

  •  3. HANSE-Studie – Deutschland
    • Titel: Effectiveness of NELSON vs PLCOm2012 Lung Cancer Screening Eligibility Criteria in Germany
    • Publikation: Lancet Oncology, 2022
    • Studienzeitraum: Prospektive Studie, Baseline-CT + Follow-up 12 Monate
    • Kurzbeschreibung: Deutsche multizentrische Studie zur Optimierung von Risikoselektion und Screening-Umsetzung, wichtige Grundlage für das strukturierte Lungenkrebsscreening in Deutschland.
    • Link: HANSE-Studie, DZG

 

  • 4. Eckpunkte eines nationalen Lungenkrebsscreening-Programms – Positionspapier 2023 (DZL & Fachgesellschaften)
    • Experten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) haben im Oktober 2023 erstmals Eckpunkte für ein nationales Screening-Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs mittels Low-Dose-CT vorgestellt. Das Papier basiert auf rund einem Jahr gemeinsamer Arbeit und nennt die Kriterien und organisatorischen Rahmenbedingungen für ein qualitätsgesichertes Screening-Programm. Es richtet sich an behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitspolitik.
    • Link: Früherkennung von Lungenkrebs: Mediziner stellen erstmals Eckpunkte eines nationalen Screening-Programms vor – Deutsches Zentrum für Lungenforschung, News 2023.
  • Kontakt
  • Initiative Lungenscreening.info des Radiologienetz Deutschland
  • Hans-Bunte-Straße 2-4
  • 69123 Heidelberg
  •  
  • info@lungenscreening.info

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